RAIZAL CREOLE

Eine karibische Kreolsprache

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Was ist Raizal Creole?

Karte von San Andres und Providencia

Raizal Creole ist eine karibische Kreolsprache, die vor allem auf den Inseln San Andrés und Providencia gesprochen wird. Die Sprache entstand im Kontext des transatlantischen Sklavenhandels. An ihrer Entstehung sind westafrikanische Sprachen, das Englische, karibische Sprachen, und nautischer Jargon beteiligt.

Texte

Hier stellen wir einige Texte im Raizal vor. Sie stammen von Ruby Jay Pang Somerson, die sie auch für uns eingesprochen und übersetzt hat.

Unter den folgenden Links finden Sie die Aufnahmen der Texte sowie deren Unterteilung in einzeln abspielbare Sätze. Diese wurden auf drei verschiedene Weisen annotiert:

  1. nach Morphemkategorien,
  2. mittels Glossierung und
  3. als freie Übersetzung.
Das Verfahren basiert auf den Leipziger Glossierungsregeln (Leipzig Glossing Rules), dem internationalen Standard in der Sprachwissenschaft.

Bada Anansi an Bada Jakaas an di Taigadem: Bruder Anansi, Bruder Esel und die Tiger

Diese traditionelle Erzählung handelt von Anansi Spinne, einer Trickster-Figur, die in verschiedenen Kulturen Westafrikas eine zentrale Rolle spielt, und auch in den karibischen Inseln sehr verbreitet ist.

Fi di Yoruba Pongkin: An den Yoruba-Kürbis

Dieses Gedicht reflektiert über die kulturellen, kulinarischen, und sprachlichen Bezüge des Raizal zu westafrikanischen Kulturen wie der der Yoruba.

Fi yo grong man: Für dich, Bauer

Gedicht

Sutar an rien fal fi Prabidens: Sterne und Regen für Providencia

Gedicht

Etymologische Ursprünge

Als Kreolsprache bezieht das Raizal einen Großteil seines Lexikons aus dem Englischen, der ehemaligen Kolonialsprache auf der Insel San Andrés. Dennoch finden sich auch zahlreiche sogenannte Afrikanismen, weshalb die Sprache in der Forschung auch als Kreol mit westafrikanischem Substrat definiert wird (Bartens, 2011).

Die Menschen, die heute auf San Andrés leben, stammen zu einem großen Teil von Menschen ab, die im Zuge des atlantischen Sklavenhandels aus afrikanischen Ländern dorthin verbracht wurden.

Daher haben die meisten Bewohner*innen keine genauen Aufzeichnungen über die Herkunft ihrer Vorfahren und keinen einfachen Zugang zu ihrem afrikanischen kulturellen Erbe. Über Kognate (also Wörter, die historisch auf das gleiche Lexem zurückgehen) lässt sich das historische Erbe der westafrikanischen Ursprungssprachen des Raizal aufarbeiten.

So kann Lexikologie einen wertvollen Beitrag zur Rekonstruktion geschichtlicher Zusammenhänge liefern.

Die unten vorliegende Karte visualisiert die Etymologie von knapp 100 Afrikanismen im Raizal und veranschaulicht die relative Verteilung einzelner Herkunftssprachen sowie Sprachfamilien. Die zugrundeliegenden Afrikanismen stammen aus der Grammatik des Raizal von Angela Bartens (2003) - es handelt sich dabei um insgesamt 83 Lexeme und 12 Lehnübersetzungen.

Dieser Datensatz wurden hinsichtlich folgender Parameter kategorisiert: Bedeutung, Herkunftsprache und Kognate, Typ (Lexeme vs. Lehnübersetzung), semantische Domäne (bei Lexemen).

Die folgenden Beispiele veranschaulichen diese Kategorisierung:

Ziel war es, die von Bartens erhobenen Daten unter Zuhilfenahme der Statistiksoftware R mit aktuellen Datensätzen aus Glottolog zu verbinden. Aus diesem Datenzusammenschluss entstand eine dynamische Karte, die anhand der von Glottolog bereitgestellten geographischen Koordinaten einzelner Sprachen veranschaulicht, in welchen Regionen (West-)Afrikas diese Afrikanismen zu verorten sind, welche Sprachen wie häufig als lexifier, also als lexikalische Quelle, gedient haben und welche Sprachfamilien dabei eine besonders wichtige Rolle spielen. Die Sprache mit dem größten Anteil an möglichen Ursprungswörtern ist Twi, das zur Sprachfamilie Atlantic-Congo gehört. Hierfür gibt es 46 Treffer von insgesamt 294 Einträgen = 18,47%. Daher ist auch die Deckkraft des Punktes in der Karte sehr hoch.

Quellen

Bartens, A. (2003). A contrastive grammar Islander - Caribbean standard - English - Spanish. Suomalaisen Tiedeakatemian toimituksia: Humaniora. Helsinki: Acad. Scientiarum Fennica.

Bartens, A. (2011). Substrate features in Nicaraguan, Providence and Raizal Englishes. A comparison with Twi. In C. Lefebvre (Ed.), Creoles, their substrates, and language typology (pp. 201–224). John Benjamins. http://ebookcentral.proquest.com/lib/ulbd/detail.action?docID=669005

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